315 Millionen Euro – was Erneuerbare Energien Schleswig-Holsteins Kommunen wirklich wert sind
- Daniel Schlichting

- vor 24 Stunden
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Eine neue Untersuchung im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums belegt: Erneuerbare Energien bringen Schleswig-Holsteins Kommunen jährlich 315 Millionen Euro Wertschöpfung. Die Studie wurde ohne öffentliche Begleitung veröffentlicht – dabei liefert sie starke Argumente für das, was Schleswig-Holstein längst tut. Und sie zeigt, was noch möglich wäre.
Windkraft ist Kommunalfinanzierung
Es geht nicht um Klimaideologie. Es geht um Gewerbesteuer, Pachteinnahmen und lokale Beschäftigung – also um die Grundfragen kommunaler Haushaltspolitik. Die Zahlen sind eindeutig: Die Windenergie allein bringt dem Land jährlich rund 253 Millionen Euro an Wertschöpfung, die innerhalb Schleswig-Holsteins verbleibt. Rechnet man Photovoltaik hinzu, sind es 315 Millionen Euro. Bundesweit liegt das Land damit auf Platz zwei – hinter Niedersachsen, das ein Vielfaches der Fläche hat.
Mehr als die Hälfte der durch Erneuerbare Energien ausgelösten wirtschaftlichen Effekte kommt direkt den Standortregionen zugute: Pacht für Grundstückseigentümer, Gewerbesteuer für die Gemeinde, Aufträge für regionale Betriebe. Das ist Kommunalfinanzierung – keine abstrakte Klimapolitik.
Wertschöpfung Erneuerbare Energien – Schleswig-Holstein:
Windenergie gesamt: 253 Mio. €/Jahr
Photovoltaik Dächer: 56 Mio. €/Jahr
Freiflächen-PV: 6,6 Mio. €/Jahr
Gesamt Erneuerbare: 315 Mio. €/Jahr
Bundesweites Potenzial bis 2033: 21 Mrd. €/Jahr
Starke Zahlen – stille Veröffentlichung
Die Untersuchung wurde im Frühherbst 2025 fertiggestellt und erst nach wiederholtem Druck aus der Branche veröffentlicht – ohne Pressetermin, ohne begleitende Kommunikation. Dabei liefert sie genau die Belege, die den Kurs Schleswig-Holsteins beim Ausbau der Erneuerbaren sachlich untermauern.
„Das Gutachten zeigt, dass durch den Ausbau der Erneuerbaren das Potenzial für die regionale Wertschöpfung enorm ist und flächendeckend ein Rückgrat der kommunalen Haushalte werden kann." – Marcus Hrach, Landesverband Erneuerbare Energien SH
Schleswig-Holstein gehört beim Ausbau der Erneuerbaren bundesweit zu den Vorreitern. Diese Studie ist eine Bestätigung – und zugleich ein Auftrag, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.
Wer profitiert – und wer noch nicht
Im Norden und Westen des Landes ist die Lage klar: Zwei Kreise gehören zu den wirtschaftsstärksten Windenergie-Standorten in ganz Deutschland. Weitere vier Kreise liegen in der zweithöchsten Wertschöpfungskategorie.
Doch die Erträge verteilen sich nicht gleichmäßig. Kreise mit wenig Fläche, wenig Wind oder dichter Besiedlung profitieren deutlich weniger. Die SGK regt deshalb an zu prüfen, ob der kommunale Finanzausgleich dieser wachsenden Asymmetrie noch gerecht wird – und ob Ausgleichsmechanismen sinnvoll wären, die auch windärmere Regionen stärker an den Erträgen beteiligen.
Eigeninitiative braucht Rückendeckung
Die Untersuchung empfiehlt den Kommunen, stärker selbst aktiv zu werden – durch Projektbeteiligungen, Bürgerenergiekonzepte, Pachtverträge. Der Rat ist richtig. Aber er setzt voraus, was viele Gemeinden nicht haben: ausreichend Personal, Fachwissen und Kapazität.
Die SGK spricht sich dafür aus, dass das Land Beratungsstrukturen weiter ausbaut und dauerhaft finanziert – für Förderanträge, Beteiligungsmodelle und Vertragsgestaltung. Eigeninitiative der Kommunen ist wünschenswert. Sie funktioniert dauerhaft aber nur mit verlässlicher Unterstützung durch das Land.
2033: Der nächste Schritt
Bis 2033 könnte sich die wirtschaftliche Bedeutung der Erneuerbaren bundesweit verdoppeln. Für Schleswig-Holstein bedeutet das: Weitere Kreise – darunter Ostholstein und Rendsburg-Eckernförde – könnten in die höchste Wertschöpfungsklasse aufsteigen. Auch für Segeberg und Herzogtum Lauenburg wäre ein deutlicher Sprung realistisch.
Das sind keine Versprechen, sondern durchgerechnete Szenarien. Ob sie eintreten, hängt davon ab, ob die Rahmenbedingungen stimmen und ob Kommunen in die Lage versetzt werden, die Potenziale tatsächlich zu nutzen.
Die SGK Schleswig-Holstein begrüßt den konsequenten Kurs des Landes beim Ausbau der Erneuerbaren. Sie fordert, diesen Weg kommunalpolitisch zu flankieren: durch aktive Kommunikation der Studie gegenüber den Gemeinden, durch den weiteren Ausbau von Beratungsstrukturen und durch eine Prüfung des kommunalen Finanzausgleichs im Licht einer zunehmend asymmetrischen Energielandschaft. Windärmere Regionen sollten solidarisch stärker beteiligt werden – nicht als Almosen, sondern als Konsequenz aus dem Prinzip, dass die Energiewende eine gemeinsame Aufgabe ist.
315 Millionen Euro jährliche Wertschöpfung sind kein Argument für Zurückhaltung. Sie sind ein Auftrag – für das Land und für die Kommunen.



